Wegwarten in meinem Garten
Die himmelblauen, sternförmigen Blüten der Wegwarte haben mich schon vor vielen Jahren in Schweden fasziniert. Häufig war die filigrane Pflanze an Straßenrändern zu sehen. In der letzten Zeit werden Wegwarten zunehmend auch vom Grünflächenamt an Waldrändern ausgesät, was der Natur guttut und Insekten anlockt.
Deshalb war ich hocherfreut, als ich im letzten Jahr ein Samentütchen kaufen konnte. Wie ich es mit vielen Sommerblumen erfolgreich durchführe, säte ich die Samen in flache Erdbeerschälchen und setzte die jungen Pflänzchen nach der Durchwurzelung komplett, so wie sie waren, in den Garten. Da die Wegwarte meist zweijährig ist, passierte im ersten Jahr nicht viel. Es entstanden zahlreiche Blattrosetten mit einem einzigen Blütenstängel. Im zweiten Jahr explodierte das Wachstum förmlich. Meine Wegwarten-Pflanzungen bekamen einen Durchmesser von wenigsten 60 cm und wurden weit über zwei Meter hoch. Wahrscheinlich standen sie zu dicht und der Boden war zu fett für diese Wildblume.
Im nächsten Jahr kann ich sicher davon ausgehen, dass sich die Wegwarte reichlich ausgesät hat und sich in meinem Garten etabliert. Zum Keimen braucht sie allerdings Vegetationslücken und lockere sandig-lehmige Böden.
Sicher ist es ein Nachteil, dass sich die Blüten nur vormittags zwischen 6.00 und 14.00 Uhr öffnen, da sich die Blüte gleich nach der Bestäubung schließt. Man muss also früh in den Garten gehen, um von der Blüte etwas zu haben. Trotzdem ist die Wegwarte empfehlenswert. Insekten besuchen sie gerne und sie ist eine wertvolle Nutz- und Heilstaude. Alle Teile der Pflanze sind ungiftig und essbar. Sie enthält verdauungsfördernde Bitterstoffe. Außerdem machen sich die blauen Blüten gut als Salat-Deko. Aus ihren Wurzeln röstete man früher Zichorienkaffee (Muckefuck) als Kaffeeersatz. Chicorée und einige weitere Nutzpflanzen wurden aus Wegwarten gezüchtet. Deshalb ist es kein Wunder, dass sie im Jahr 2020 zur Heilpflanze des Jahres gekürt wurde.
Fotos und Text: Bea Wild