Fachberatung am 14.08.2026

„Geführter Spaziergang durch den Fredenbaumpark mit Dr. Wilhelm Grote“

Am 14. August 2026 führte uns Dr. Wilhelm Grote (Vorsitzender des Freundeskreis Fredenbaumpark e. V.) in einer kleinen Gruppe von fünf Interessierten durch den Fredenbaumpark. Trotz der hohen Temperaturen folgte die Gruppe aufmerksam seinen Ausführungen und erhielt einen umfassenden Einblick in die historische Entwicklung, die kulturelle Bedeutung und die ökologischen Herausforderungen dieser traditionsreichen Grünanlage.
Der Fredenbaumpark zählt zu den ältesten und geschichtsträchtigsten Parks Dortmunds. Seine Ursprünge liegen im mittelalterlichen Waldgebiet Westerholz, das bis etwa 1835 die nördliche Stadtgrenze markierte. Der Name „Fredenbaum“ leitet sich aus Freiheit („Freden“) und Schlagbaum („Baum“) ab und bezeichnete einst den Übergang in die städtische Freiheit Dortmunds. Bis ins 19. Jahrhundert wurde das Gebiet als Nutzwald genutzt, bevor es sich mit der Industrialisierung zu einem wichtigen Erholungsraum für die Bevölkerung der Nordstadt entwickelte. Ab 1881 verband eine Pferdebahn den Steinplatz mit dem Fredenbaum und machte den Wald leichter zugänglich.
Die eigentliche Parkgestaltung begann 1899 mit einem städtischen Wettbewerb zur Umwandlung des Westerholzes in einen Volkspark. Bis 1906 entstand nach Plänen des Berliner Tiergartendirektors Hermann Geitner einer der ersten großen Volksparks Dortmunds. Ein besonderer Höhepunkt war die Eröffnung des Luna-Parks im Jahr 1912, der mit Attraktionen wie Wasserrutschbahn, Hippodrom und Teufelsrad Besucher aus der gesamten Region anzog. Auch die Luftfahrtgeschichte Dortmunds ist eng mit dem Fredenbaum verbunden: 1911 entstand nördlich des Parks das erste Dortmunder Flugfeld.
Während der Führung erläuterte Dr. Grote, wie stark die historische Entwicklung des Parks mit seinen heutigen ökologischen Herausforderungen verknüpft ist. So spielt das Pumpwerk Evinger Bach, das rund 16.000 Liter Wasser abpumpen kann, eine zentrale Rolle für den Grundwasserhaushalt. Es stabilisiert den Wasserstand und schützt den Park bei Starkregen vor Überschwemmungen – ein Aspekt, der angesichts des Klimawandels immer wichtiger wird.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind im Fredenbaumpark deutlich sichtbar: Besonders Buchen reagieren empfindlich auf die stark schwankenden Grundwasserstände und zeigen zunehmend Schäden. Auch die Teiche ziehen sich zurück, was die ökologische Vielfalt beeinträchtigt. Der älteste Baum des Parks, eine eindrucksvolle Eiche, wird auf etwa 170 Jahre geschätzt und steht sinnbildlich für die lange Geschichte des Parks.

Dr. Grote ergänzte die historischen Fakten mit lebendigen Anekdoten: Der Name des angrenzenden Gartenvereins Hobertsburg geht auf den Gastwirt Hobert zurück, der im Fredenbaumpark zu Garten-Konzerten einlud. Auch der legendäre Buffalo Bill gastierte einst im Park und präsentierte gemeinsam mit zwölf Häuptlingen eine Wild-West-Show, die damals große Aufmerksamkeit erregte.
Ein einschneidendes Ereignis der jüngeren Parkgeschichte war das Sturmtief „Ela“ vor rund 13 Jahren, das etwa 13 % des Waldbestands zerstörte. Teile wurden neu bepflanzt, doch ein großer Bereich wird bewusst der natürlichen Entwicklung überlassen, um die ökologische Dynamik des Waldes zu fördern.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Park kontinuierlich erweitert und modernisiert. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden neue Spielbereiche, darunter der Jugendverkehrsgarten, der Kindern und Jugendlichen bis heute eine sichere Möglichkeit bietet, Verkehrsregeln praktisch zu üben. 1970 wurde der Musikpavillon eingeweiht, später folgte ein modernisierter Bootsanleger.

Ein markantes Wahrzeichen des modernen Parks ist das Big Tipi, ein 35 Meter hohes Bauwerk der Expo 2000, das seit 2001 den Abenteuerspielplatz prägt. Es gilt als das größte Tipi der Welt und symbolisiert die Verbindung von Naturerlebnis und moderner Freizeitgestaltung.
Die Festwiese, ein zentraler Bestandteil des Parks, geht maßgeblich auf das Engagement von Oberbürgermeister Schmieding zurück. Heute ist sie – ebenso wie der historische Kern rund um Teich und Schmiedingslust – Teil des Bereichs, der 2024 anlässlich des 125 jährigen Bestehens unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Dr. Grote wies außerdem darauf hin, dass das Grillen ausschließlich an ausgewiesenen Plätzen erlaubt ist. Diese Vorgabe wird jedoch häufig missachtet, weshalb Mitarbeitende der AWO den Park regelmäßig reinigen und damit einen wichtigen Beitrag zur Pflege leisten.
Mit seinen rund 63–65 Hektar gilt der Fredenbaumpark heute als „grüne Lunge“ der Nordstadt. Trotz der sommerlichen Hitze bot der alte Baumbestand während der Führung angenehme Kühle, und die Teilnehmenden erhielten einen eindrucksvollen Einblick in die historische Entwicklung, die kulturelle Bedeutung und die ökologischen Herausforderungen dieses besonderen Parks.

Text und Fotos: Kerstin Michel
Weitere Quellen: Internetrecherchen, Broschüre „Der Fredenbaumpark“