Besuch der Landesgartenshow in Neuss am 20.06.2026 im Rahmen der Fachberatung Dortmunder Gartenvereine
Der Blick auf den Wetterbericht signalisierte schon: „Es wird heiß an diesem Tag.“ Und so war es auch. Und es gab wenig Schatten. Regenschirme wurden schnell zu Sonnenschirmen umfunktioniert.
Die aus einer ehemaligen Galopprennbahn und dem Gelände des Bürgerschützenfests entwickelte Landesgartenschau umfasst 38 Hektar und ist damit ziemlich weitläufig. Um die Fläche zum „grünen Herz der Stadt“ zu entwickeln, wurden 2200 Bäume gepflanzt. Professionelle Landschaftsbauer lenkten ihr besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit, Verzicht auf Beton und Verwendung der vorhandenen Materialien von der Rennbahn.
Als erstes besuchten wir das Gartenland, das acht Themengärten umfasst. Erster Eindruck waren die immer wiederkehrenden Kletterpflanzstäbe aus Bambus und versteckte Gartenräume aus Holzpalisaden mit durchlässigen Wegen. Dort befanden sich Inseln bunter Vegetation aus Sommerblumen und Gräsern mit besonderem Augenmerk auf hitzeresistente Arten.
Das Gestell der ehemaligen Reithalle sah noch recht kahl aus und wird mit Kletterpflanzen begrünt.
Das Friedenprojekt „Olivenhain“, bestehend aus 20 Olivenbäumen, steht für interkulturelle Begegnungen. Dieser Ort lädt Menschen deutscher und nicht-deutscher Herkunft zum Verweilen ein. Problem bei den Neubepflanzungen waren die zahlreichen Karnickel auf dem Gelände, weswegen umfangreiche Schutzmaßnahmen ergriffen werden mussten. Viele Bäume auf der Fläche haben Sensoren und dienen wissenschaftlichen Zwecken.
Im Mitmachgarten als gemeinschaftliches Projekt konnten interessierte Bürgerinitiativen ihre Ideen verwirklichen. Auch hier gab es nachhaltiges Gärtnern, z.B. Umrandung der Beete mit den Dachziegeln der Reithalle. Zu entdecken waren außerdem ein Sandarium für Wildbienen, Magerbeete, Hochstaudenflächen, eine Naschwiese und ein Färbergarten.
Da Neuss vor 2000 Jahren aus einer römischen Garnison am Rhein hervorging, gab es immer wieder Hinweise auf diese Zeit. Kernstück des Römergartens mit zahlreichen Obstbäumen ist ein römischer Springbrunnen. Aber auch die Spielplätze der Kinder, die komplett aus Holz gebaut wurden, stellen eine Befestigungsanlage dar, sogar mit Streitpferden aus Holz.
Hier gibt es auch einen Kinderbauernhof mit Streichelzoo. Außerdem bietet der Bauernverband am Wochenende Veranstaltungen an.
Andere Schwerpunkte sind nachhaltiges Bauen aus Naturmaterialien, Schattengärten, Insektengärten und der Garten deiner Träume.
Als nächstes besuchten wir die Stallungen der alten Reitanlage. Der ehemalige Hengststall bot innen eine Überraschung: In den Boxen gab es Kunstausstellungen, zurzeit eine Quilt-Ausstellung mit dem Thema „Gemeinsam am Rhein. Wir pflanzen Zukunft“. Ein Bild war kreativer und schöner als das andere. Der ehemalige Stutenstall soll mal eine Gastronomie beherbergen.
Unser nächster Halt war die ehemalige Galopprennbahn mit Flutlichtbeleuchtung und ein künstlich angelegter See mit Seeterrasse. Hier treffen sich die Modellbaufreunde regelmäßig und lassen ihre Boote fahren.
An der großen Freitreppe, wo auch das Gruppenfoto aufgenommen wurde, erfreute uns ein Orgelspieler mit klassischer Musik.
Neben den Themengärten gibt es noch drei groß angelegte Flächen für die zahlreichen kulturellen Angebote und Spiel- und Sportmöglichkeiten. Besonders hier zu nennen sind die Lichtkirche und der Ort der Religionen mit dem Kunstwerk: „Wir treffen uns im Wind.“
Brauchtum wird groß geschrieben in Neuss. Bedeutsam für den Ort ist das riesige Schützenzelt. Hier trifft man sich einmal im Jahr zu einem großen Fest für Jung und Alt. Das neu erbaute Schützenhaus weist eine Besonderheit auf. Es steht freischwebend auf acht Schwertern, die in acht Silberlinden eingeschlagen wurden. Diese Maßnahme scheint den Bäumen nicht zu schaden.
Ab Oktober ist geplant, den Park für die Bevölkerung ohne Eintritt freizugeben und dieser wird damit dauerhaft zum „grünen Herz“ der Stadt.
Unsere Führung endete im Cateringzelt zu einer warmen Mittagsmahlzeit.
Fotos und Text
Bea Wild