Die asiatische Hornisse, eine unterschätzte Gefahr?

Die asiatische Hornisse, eine unterschätzte Gefahr?

Die asiatische Hornisse (Vespa velutina), eine unterschätzte Gefahr?

Fortbildung von Uwe König (Wespen und Hornissenberater, Obmann für Schulungen des Landesverbands Westfälischer und Lippischer Imker) am 13.02.2026

Eigentlich dachte ich, die „asiatische Hornisse“ ist eher ein Thema für Imker, aber auch wir alle sind von der Ausbreitung dieser invasiven, aggressiven Art irgendwann direkt oder indirekt betroffen.

Die aus Asien eingewanderte Hornisse hat bei uns praktisch keine Feinde und kann sich deshalb explosionsartig vermehren. Wenn sie nicht bekämpft wird, kann sich die Zahl der Nester im folgenden Jahr verfünf- bis verzehnfachen. Ihr Hunger auf Insekten und Fleisch in der Brutzeit ist gewaltig. Pro Nest und Jahr benötigt sie 11 kg Insektenmasse. Damit vernichtet sie nicht nur viele Honigbienenvölker, sondern auch alle anderen Insekten, die sie erlegen kann und stört damit erheblich das biologische Gleichgewicht. Auch Vögel finden durch sie immer weniger Nahrung. Ähnlich wie Wespen ernähren sich die kleinen Kamikazeflieger auch gern von Honig, süßen Früchten und gärendem Obst. Mit ihrem eleganten Schwirrflug können sie in der Luft stehen bleiben und ihre Beute blitzartig im Flug erlegen. Angegriffene Bienenvölker trauen sich irgendwann nicht mehr aus dem Nest, können ihre Brut nicht mehr versorgen und keinen Honig sammeln, was zur Folge hat, dass sie im Winter verhungern. Gibt es immer weniger Bestäuber, so hat das Auswirkungen auf die gesamte Flora und Fauna und letztlich auch auf unsere Ernährung.

Aber auch für uns Menschen kann die asiatische Hornisse sehr gefährlich werden. Wenn man sich ihrem Nest mit weniger als 5 m Abstand nähert, stürzen sich fast alle Insekten gleichzeitig auf den Feind. Mit einer Stachellänge von 4,5 Millimetern können sie selbst Imkerkleidung durchdringen. So eine Situation kann unbeabsichtigt beim Heckenschnitt auftreten. Eine Begegnung dieser Art kann durch die Vielzahl der Stiche zu schweren allergischen Reaktionen führen, schlimmstenfalls zu einem anaphylaktischen Schock und zum Tod.

Erkennungsmerkmale:

Die gelbfüßige asiatische Hornisse ist 2,1 cm groß, hat eine schwarze Grundfärbung, eine schwarze Brust, am Hinterleib eine gelbe Binde und hellgelbe Füße. 

Unsere einheimische geschützte Hornisse (Vespa crabro) ist am Kopf, der Brust und den Beinen rotschwarz gefärbt mit gelben, breiten Ringen am Hinterleib. (siehe Abbildung)

Verwechslungen kann es auch mit folgenden geschützten Arten geben: Der Riesenholzwespe, erkennbar an ihrem langen Legebohrer und der mittleren Wespe.

Es ist wichtig die Unterschiede zu kennen, da einheimische wildlebende Insekten nicht bekämpft werden dürfen. Sie sind Teil des biologischen Gleichgewichts. Im Zweifelsfall ein Foto machen und den Fund an den LANUK (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW) melden. Der Link befindet sich auf dem anhängenden Plakat.

Entwicklung im Jahreslauf:

Ende Februar kriechen 500 bis 1000 Königinnen aus der Erde, die im Unterholz überwintert haben und bauen einen Wabenteller mit 8 Zellen in bis zu 3m Höhe in Hecken, Holzunterständen und Gartenhäusern. In diesem Stadium kann das Nest noch leicht vernichtet werden. Sind die ersten Arbeiterinnen geschlüpft, übernehmen diese den Weiterbau des Nests und kümmern sich um die Brut. Ab Mitte April wird das Primärnest auf Fußballgröße mit 500 Tieren ausgebaut. Mitte Juli bis August wird neben dem ersten noch ein Sekundärnest in einem hohen Baum in 20 bis 30 m Höhe gebaut. Dieses kann eine Nestgröße von100 x 60 cm erreichen und bis zu 5000 Insekten beherbergen. Das Einflugloch befindet sich bei der asiatischen Hornisse seitlich, bei der einheimischen unten. In diesem Stadium wird eine Bekämpfung sehr schwierig. Im Spätherbst stirbt das Volk nebst der alten Königin ab, nur die neuen befruchteten Königinnen überleben und überwintern im Unterholz.

Bekämpfung:

Solltet ihr eine asiatische Hornisse entdecken, macht ein Foto und meldet den Fund mit genauer Orts- und Zeitangabe an das Neobiota-Portal des LANUK (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW), QR-Code Neobiota Meldung.png​ und der Link:  https://neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de/neobiota/de/fundpunkte/webapp

Herr König, erreichbar unter folgender Telefonnummer (0176 96647488), berät euch gerne, gibt Hilfestellung bei der Beseitigung, bzw. kann dieses gegebenenfalls für euch tun.

Auf keinen Fall solltet ihr die Bekämpfung selbst versuchen. Man benötigt dafür eine Ausbildung und eine spezielle Schutzausrüstung, die vor den Stichen schützt.

Das Auffinden des Nests ist nicht immer ganz einfach. Eventuell könnt ihr von Herrn König Locktöpfe erhalten. Während das Primärnest noch relativ leicht beseitigt werden kann, benötigt man für das Sekundärnest einen Hubwagen oder eine bis zu 30 Meter lange Lanze. Bevor das Nest entfernt werden kann, dezimiert die entsprechende Fachperson einen Teil der Insekten mit Aktivkohlenstaub. Beide Methoden verursachen sehr hohe Kosten für den Materialeinsatz. Hat man das Nest mit den Insekten entfernt, wird es zunächst in ein Netz verbracht und anschließend in einem Käfig eingeschlossen. Vier Tage in einer Tiefkühltruhe dürften reichen, um alle Hornissen zu vernichten.

Wie es aussieht, werden wir dieses Problem nicht mehr loswerden. Nur die Wachsamkeit aller, ganz besonders jetzt im Frühjahr, kann eine weitere Ausbreitung verhindern.

Unser Dank gilt Uwe König für seinen ehrenamtlichen Einsatz.

Text: Bea Wild

Beratung: Uwe König

 

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