Fachberatung am 08.05.2026

Besuch des NABU Ruhrgebietsgartens im Gartenverein „Friedlicher Nachbar e. V.“

Am 8. Mai 2026 besuchte eine Gruppe von 23 Gärtnerinnen und Gärtnern im Rahmen der Gartenfachberatung den NABU Ruhrgebietsgarten im Gartenverein Friedlicher Nachbar e. V. in Dortmund. Bereits im Dezember 2025 hatte ein Filmbeitrag erste Eindrücke vermittelt – nun bot sich die Gelegenheit, den Garten persönlich zu erleben und seine Entwicklung aus nächster Nähe kennenzulernen.

Empfangen wurde die Gruppe von Daniel Pawlak Gast, Vorsitzender des Gartenvereins Friedlicher Nachbar e. V. und zugleich 2. Vorsitzender des NABU Dortmund. In seinen einführenden Worten stellte er den traditionsreichen Verein vor:

• 194 Parzellen umfasst die Anlage
• 25 Pächterinnen und Pächter sind über 80 Jahre alt
• immer mehr Familien mit Kindern entdecken das Kleingartenwesen für sich
• die Anlage ist Teil des Kleingartenwanderweges Ost
• im September 2026 feiert der Verein sein 100 jähriges Jubiläum

Der NABU-Ruhrgebietsgarten wurde 2024 übernommen und seitdem konsequent von einer konventionellen Gartenfläche in einen ökologisch wertvollen Naturgarten umgestaltet. Die Vorpächterin hatte den Garten pflegeleicht gehalten – viel Rasen, 32 Rosen und ein gefräster Acker prägten das Bild. Dadurch konnte das Team bei der Strukturplanung nahezu „bei Null“ beginnen.

Besondere Elemente der bisherigen Umgestaltung:

• Anlage eines Hügelbeets
• ein 40 cm tiefer Häckselweg, der sich als wertvoller Lebensraum u. a. für den Nashornkäfer erwiesen hat
• schrittweise Entwicklung vielfältiger Biotopstrukturen
• Kombination aus naturnaher Gestaltung und gärtnerischer Nutzung

Der Garten wird im Verein sehr gut angenommen, und erste Veranstaltungen sind bereits geplant.

Da die Besuchergruppe, die bislang größte im Ruhrgebietsgarten war, erfolgte die Führung in vier Teilgruppen. Die Erläuterungen übernahmen:

• Brigitte Bornmann Lemm – NABU Dortmund
• Klaus Dieter Lemm – NABU Dortmund
• Daniel Pawlak Gast
• Benjamin Gast – NABU Dortmund

Sie gaben spannende Einblicke in die bisherigen Maßnahmen, Herausforderungen und Ziele des Projekts.

Der Ruhrgebietsgarten zeigt eindrucksvoll, wie sich auf einer typischen Kleingartenfläche – wie sie im dicht bebauten Ruhrgebiet häufig vorkommt – ein artenreicher Naturgarten entwickeln lässt. Bereits jetzt wurden erfasst:

• 80 Insektenarten
• 130 Pflanzenarten und -sorten

Ziel ist die Schaffung eines Gartens mit vielfältigen Lebensräumen, darunter:

• Staudenbeete
• Wurzelgarten
• Wasserstellen und Teich
• Häckselwege
• Totholzbereiche
• Trockenmauer
• Gemüsebeete
• Kräuterspirale
• Obstgehölze
• Wilde Ecken

Ein Drittel der Fläche wird – gemäß den Vorgaben der kleingärtnerischen Nutzung – für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt. Besonderes Augenmerk liegt auf alten Gemüsesorten, deren Erhalt einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leistet.

Bei der Pflanzenauswahl wird darauf geachtet, dass die Arten typisch für das Ruhrgebiet sind und hier seit Langem vorkommen. Diese heimischen Blühpflanzen fördern die Insektenvielfalt besonders effektiv und bieten Nahrung über die gesamte Vegetationsperiode.

Die Strukturen des Gartens lassen sich leicht auf private Gärten übertragen – viele Besuchende nahmen bereits konkrete Ideen für ihr eigenes Grün mit nach Hause.

Der Ruhrgebietsgarten ist zugleich Schau , Forschungs , Lehr und Mitmachgarten. An jedem 1. und 3. Samstag im Monat findet von 10 bis 14 Uhr (März bis Oktober) ein Offener Gartentag statt. Dann ist immer jemand aus dem Gartenteam vor Ort:

• zum Austausch
• zur Beratung
• zum gemeinsamen Arbeiten
• oder einfach zum Genießen des Gartens

Zitat: „Das große Ziel ist es, bis zur Internationalen Gartenausstellung Metropole Ruhr 2027 einen Lehr- und Schaugarten für die BesucherInnen der IGA öffnen zu können.“

Zum Abschluss konnten sich alle Teilnehmenden bei einem Kaltgetränk noch einmal in Ruhe im Garten umsehen, Eindrücke vertiefen und Inspirationen sammeln. Der Besuch hinterließ bei vielen den Wunsch, die Entwicklung des Ruhrgebietsgartens weiter zu verfolgen.

Text und Fotos: Kerstin Michel; zusätzliche Informationen: NABU Ruhrgebietsgarten Dortmund und NABU Dortmund