Fachberatung am 13.03.2026

„Staudenvielfalt heute – klimaresiliente Arten und Sorten für jeden Lebensbereich“ von Dorothea Steffen, 1. Präsidentin der Gesellschaft der Staudenfreunde

Dorothea Steffen nahm uns an diesem Abend mit in die bunte Vielfalt der Stauden, die sie auf ihrem 2000 Quadratmeter großen Grundstück in Essen an der Ruhr kultiviert. Darüber hinaus kümmert sie sich im Rombergpark seit 25 Jahren um das „weiße Beet“, hält Vorträge und ist auch bei Gartenausstellungen aktiv.

In ihrer Power-Point-Demonstration zeigte sie viele heimische Arten, aber auch Pflanzen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten. Das ist ihr wichtig, da die Pflanzen unserer Breiten durch den Klimawandel immer mehr unter Stress geraten. Je nach Standort schafft sie so abwechslungsreiche, zauberhafte Pflanzengemeinschaften, kombiniert mit den unterschiedlichsten Gräsern, die dem Ganzen eine gewisse Leichtigkeit verleihen. Auch die Farbgestaltung ist ihr wichtig. Gerne arbeitet sie mit starken Kontrasten.

Frühblüher
Um im Frühjahr eine abwechslungsreiche Blütenvielfalt zu erhalten, ist ihr Motto: „Klotzen und nicht kleckern.“ Dorothea Steffen bevorzugt Tulpen mit dem Hinweis „botanisch“, da diese ausdauernder sind und setzt wenige Arten in großer Stückzahl. Narzissen und Hyazinthen sind wühlmaussicher und Iris reticulata (Netzblatt Schwertlilie) ist mit ihrem Blau eine gute Ergänzung, Allium (Zierlauch) ein guter Insektenmagnet. Nach der Blüte müssen die Pflanzen sich einziehen können, damit sie sich vermehren und im nächsten Jahr wieder erscheinen. Animalin-Dünger sorgt im nächsten Jahr für einen reichen Blütenflor.

Trockenheitsresistente Stauden
Nach meiner Beobachtung gab es in den letzten Jahren besonders in unserer Region extrem wenig Regen. Monatelange Dürrezeiten waren keine Seltenheit. Um nicht in Gießstress zu geraten, ist es daher sinnvoll, Arten auszuwählen, die mit wenig Waser auskommen.

In den trockenen Gebieten dieser Erde haben die Pflanzen verschiedene Strategien entwickelt, um dieses Problem zu lösen. Viele Pflanzen blühen nur nach der Regenzeit, haben ein langes Wurzelsystem, die Blätter sind sukkulent oder behaart. Auch das Einrollen der Blätter ist eine Möglichkeit mit wenig Wasser auszukommen. Man sollte Pflanzen auswählen, die mit der Feuchtezahl 1 (trockener Standort) gekennzeichnet sind und auf Winterhärte achten.

Wichtig ist auch eine Abmagerung fetter Böden mit Sand, Bauschutt, Schotter oder einem Mineralgemisch. Die Erde wird in der Regel nicht gehackt und die Pflanzen werden nur zurückgeschnitten. Der Boden sollte weitgehend bedeckt sein, damit Unkräuter nicht hochkommen. Mulchen mit Sand, Lavagranulat, Kies, Rasenschnitt, Laub oder Hackschnitzel hält die Feuchtigkeit im Boden. Die Fläche kann auch mit Findlingen und Steinen gestaltet werden. So ergeben sich Schattenbereiche und Ökonischen, in denen sich Tiere und Pflanzen wohlfühlen. Eine Besonderheit ist der Spaltengarten. Hier wachsen die Pflanzen in engen Steinritzen. Auch wenn die Vegetationsbilder aus verschiedenen Ökosystemen stammen, können sie nach ästhetischen Gesichtspunkten und Standortbedingungen gut
zusammenpassen.
Empfehlenswerte botanische Gärten sind der Hermannshof in Weinheim und der Garten der Horizonte in Hamburg.

Pflanzenauswahl für Trockenbeete
Dorothea Steffen empfiehlt: Anthemis tinctoria (Färberkamille), Eryngium (Edeldistel blau), Echinops (Kugeldistel), Doldenblütler, wilde Möhre, Gelbdolde und Seseli (Doldenblütler).
Die Iris barbata (hohe Bartiris) sollte immer wieder geteilt und neu gesetzt werden.
Centaurea (Flockenblumen), Scabiosa (Scabiosen), Verbascum (Königskerze) und Dipsacus (wilde Karde) sind bei Insekten sehr beliebt. Crocusmia (Mombretien) verbreiten sich stark. Neue Rosensorten lassen sich gut integrieren. Schön ist auch die Kombination von Sonnenbraut mit Gräsern und Salbei.
Viele Küchenkräuter lieben die Sonne, ebenso Salvia sclarea (Muskateller Salbei), Salvia nemerosa (Steppensalbei) und Salvia forskaohlei (Balkan Salbei).
Verschiedene Euphorbiensorten eignen sich gut. Steppengras und Blaustrahlhafer verlangen einen sonnigen Platz.
Phlomis samia (Samos Brandkraut), russeliana (Brandkraut) und fruticosa (strauchiges Brandkraut) bereichern mit ihren schönen Samenständen.
Wie die Namen schon andeuten, stammen diese Pflanzen aus speziellen Gärtnereien und dem Fachhandel, z.B. von Stauden Becker aus Stade oder von der Gärtnerei van Diemen (Willich).

Stauden im trockenen Schatten
Schwieriger ist der trockene Schatten zu bepflanzen, besonders wenn sich der Standort im Wurzelbereich von Bäumen befindet. Neben vielen Farnarten gedeihen hier Cyclamen (Alpenveilchen) aller Art, Helleborus (Christrose) und auch der heimische Nieswurz. Die Christrose braucht kalkhaltiges Substrat. Schön anzusehen sind auch die Hosta-Arten (Funkien) mit ihren unterschiedlich grün gefärbten Schmuckblättern. Weitere empfohlene Pflanzen sind Iris foetidissia (stinkende Schwertlilie), Carex (Seggengras) und Deschampsia (Süßgras), Galium odoratum (Waldmeister), Trachystemon orientalis (Rauling) und Ceratostigma plumbaginiodes (chinesischer Bleiwurz).

Auch wenn in der Gartengestaltung großflächige Anpflanzungen dieser Arten nicht möglich sind, kann man doch kleine grüne Oasen schaffen, die der Umwelt und den Menschen helfen.

Text: Dorothea Steffen, Bea Wild
Fotos (kleine Auswahl): Dorothea Steffen