Fachberatung am 09.01.2026
Anzucht, Düngung, Pflege von Tomaten, Paprika und Gemüse
Vortrag von Rita Breker-Kremer (Leiterin der Demeter Gärtnerei in Dortmund Derne) am 09.01.2026
Themen des Abends waren Anzucht, Mangelerscheinungen, Krankheiten und Schädlinge bei Gemüsepflanzen und Gegenmaßnahmen.
Neben der Anzucht von Gemüsepflanzen, Angebot von Abholkisten, Herstellung von Saatgut, biologisch-dynamischer Anbauweise versteht sich der Werkhof vor allen Dingen als soziales Projekt, das vielen Menschen die Möglichkeit zur Teilhabe und Ausbildungsmöglichkeiten gibt.
Wichtig bei der Aussaat ist die Wahl des richtigen Saatguts. Man unterscheidet samenfestes Saatgut aus Eigenvermehrung (Vorteil: Preis, Erhaltung alter Sorten, Vielfalt) und F1 Hybriden (Vorteil: sichere, höhere Erträge, bessere Resistenz gegenüber Krankheiten, lange Haltbarkeit, wohlschmeckende Früchte, aber hoher Preis, Abhängigkeit von wenigen Erzeugern, Verlust der Vielfalt). Der Demeterhof setzt sehr stark auf Eigenvermehrung.
Zunächst benötigt man Anzuchterde (z.B. Biopottground) mit wenig Energie, die zu einem Drittel mit Kompost gemischt wird. Der Kompost muss durch Wärmebehandlung sterilisiert werden. Gegen landläufige Meinung enthält Kompost nur wenig Stickstoff, dafür aber wichtige Spurenelemente und ist damit ein Bodenverbesserer, aber kein Dünger. Nach dem Auspflanzen müssen die Kulturen ausreichend gedüngt werden z.B. mit Oskorna Animalin. Hornspäne sind reiner Stickstoff und geben ihre Energie sehr langsam ab. Steinmehl schützt vor Fäulnis und Pilzerkrankungen. Pferdemist muss drei Jahre vorkompostiert werden.
Anzucht: Die Samen werden im Gewächshaus vorkultiviert, zunächst in flachen Kästen flächig ausgesät, später in größere Kästen pikiert und anschließend ausgepflanzt. Nach dem Pikieren werden die Jungpflanzen im Folientunnel abgehärtet. Entscheidend für den Erfolg ist die Beachtung der Keimtemperatur, die richtige Aussaatzeit und die Pflanzzeit. (siehe Tabelle). Sät man zu früh, erhält man lange dünne Triebe und keine kräftigen Pflanzen. Um Unkraut zu vermeiden, pflanzt man im Erwerbsanbau unter schwarzem Flies und wässert mit Tröpfchenbewässerung. Wasser soll nur an die Wurzeln gelangen. Gelbtafeln schützen vor Fluginsekten.
Krankheiten der Pflanzen können das Wachstum beeinträchtigen und im schlimmsten Fall ganze Ernten vernichten.
Anbei eine nicht vollständige Auswahl: Grauschimmel, echter Mehltau, falscher Mehltau, Gurkenmosaikvirus, Fusarium Welke, Kohlhernie, Salatmosaikvirus, Samtpfleckenkrankheit, Sclerotinia Fäule und Umfallkrankheit.
Ursachen sind neben unzureichender Pflege und Witterungseinflüssen Viren, Bakterien, Pilze und Schleimpilze. Schäden können außerdem auftreten bei Stickstoffmangel, Phosphormangel, Magnesiummangel, Kalzium-, Eisen- und Manganmangel.
Mit Grauschimmel (einem Pilz) und seinem mausgrauen Sporenrasen hatte sicher schon jeder Gärtner zu tun. Gegenmaßnahmen: Pflanzen abhärten, nicht zu dicht pflanzen, trocken halten, abgestorbene Pflanzenteile entfernen, für ausreichende Stickstoff- und Kaliverbindung sorgen.
Bei echtem Mehltau Pflanzen regelmäßig mit Wasser besprühen, Ackerschachtelhalmbrühe verwenden.
Der falsche Mehltau wird durch einen Eipilz hervorgerufen, entsteht häufig bei zu großer Taubildung und Staunässe. Gegenmaßnahmen: Nur von unten gießen, heizen.
Die Kohlhernie ist für den Kohlanbau die gefährlichste Krankheit, hervorgerufen durch einen Schleimpilz. Die Sporen dringen in die Wurzelhaare ein und vernichten sie. Gegenmaßnahmen: Resistente Pflanzen verwenden, ausreichende Wasserversorgung, keimfreie Anzuchterde verwenden, langjähriger Fruchtwechsel.
Die Fusarium Welke, hervorgerufen durch einen Pilz, der die Leitungsbahnen der Pflanze verstopft, ist sehr verbreitet und verursacht Wurzelfäule. Gegenmaßnahmen: Veredeln der Pflanzen auf Feigenblattkürbis und anderen speziellen Unterlagen.
Der Mosaik-Virus wird durch Läuse übertragen. Blätter von Gurken und Zucchinis sind stark gekräuselt und gelbgrün gescheckt, die Früchte zeigen eingesunkene Ringe. Gegenmaßnahmen: Resistente Sorten, Blattläuse kontrollieren, kranke Pflanzen und Unkräuter beseitigen.
Bei der Samtfleckenkrankheit bilden die Pflanzen gelbe Flecken und unterseits der Blätter einen samtartigen bräunlichen Belag. Bei Temperaturen über 20 Grad wird der Befall gehemmt. Gegenmaßnahmen: Resistente Sorten, heizen, gut lüften, befallene Blätter entfernen.
Die Braun- und Krautfäule findet man bei Tomaten und Kartoffeln. Es bilden sich graugrüne und später schmutzig braune Flecken auf Blättern und Früchten. Gegenmaßnahmen: Trocken halten, kranke Stellen an den Stängeln mit Urgesteinmehl bestäuben, befallenen Früchte und Blätter entfernen, Tröpfchenbewässerung.
Neben den Krankheiten beeinträchtigen zahlreiche Schädlinge wie Ameisen, Blattläuse, weiße Fliege, Kohlfliege, Kohlweißling, Nacktschnecken, Spinnmilben, Thripse und Wurzelläuse den Erfolg beim Gemüseanbau. Das hier ist nur eine kleine Auswahl.
Spinnmilben, auch „Rote Spinne“ genannt, findet man häufig in Gewächshauskulturen. Sie sind sehr widerstandsfähig. Starker Befall tritt im Hochsommer bei trockenem Wetter auf. Erkennbar an den Gespinsten an jungen Blatttrieben. Mit der Lupe findet man viele kleine, kugelige Milben. Bei sehr hohen und niedrigen Temperaturen werden rotorange Überdauerungsstadien gebildet. Sehr widerstandsfähig, wird deswegen auch Rote Spinne genannt.
Gegenmaßnahmen: Frühzeitiger Nützlings-Einsatz von zwei Raubmilbenarten (Phytoseilos persimilis u. Amblyseius californicus), Luftfeuchtigkeit hochhalten, im Winter das Gewächshaus reinigen.
Blattläuse finden sich an vielen Gemüsekulturen, wobei einige Gemüsesorten von speziellen Blattlaus-Arten befallen werden. Es gibt über 800 Arten und sie bilden mehrere Generationen im Jahr. Sie fördern Rußtaupilze und sind Überträger von Viren.
Nützlinge gegen Blattläuse wie Marienkäfer mit ihren Larven, Florfliegen mit ihren Larven, Schlupfwespen und Gallmücken (ausschließlich für Gewächshäuser) kann man im Internet erwerben. Die gefräßige Larve des Siebenpunkt-Marienkäfers kann in 2 Wochen 4000 Blattläuse vertilgen. Anbieter: Sauter&Stepper oder katz biotech.
Hängt man Insektenhotels im Garten auf, finden Marienkäfer und Florfliegen im Winter Unterschlupf und können im nächsten Jahr ihre segensreiche Arbeit fortsetzen.
Die winzigen Thripse (1 – 2 mm, circa 400 Arten) mit ihren ausgefranzten Flügeln saugen an Blüten und Blättern und ernähren sich von Pollen. Das Schadbild ist erkennbar an den sogenannten Silberflecken. Bekämpft werden sie mit Gelb- und Blautafeln, an denen sie kleben bleiben.
Die weiße Fliege (1 – 2 mm) ist der wichtigste Gewächshausschädling. Bei Bewegung fliegen diese Mottenschildläuse kurz auf. Sowohl die Larven als auch die Fliegen stechen die Leitungsbahnen der Pflanzen an und scheiden die Flüssigkeit als klebrigen Honigtau aus, auf dem sich dann Rußtaupilze ansiedeln. Die Pflanze kann nicht mehr atmen. Bekämpfung mit Gelbtafeln. Außerdem frühzeitiger Nützlings-Einsatz mit Raubmilben und Gallmücken. Man sollte das Gewächshaus reinigen und die Luftfeuchtigkeit hochhalten.
Trauermücken (3 mm lange flugfähige Insekten) mit durchsichtigen Flügeln können besonders bei der Aussaat und Stecklings-Anzucht große Schäden verursachen. Gegenspieler sind Gelbtafeln und Nematoden.
Maßnahmen im Freilandanbau: Bodenbearbeitung, Unkraut hacken, gesunde Jungpflanzen auswählen, ausreichend düngen, Fruchtfolge einhalten, Schutzabdeckungen mit Bionet, ausreichend wässern, Nützlinge fördern und für ein ökologisches Gleichgewicht sorgen.
Wie man bei dem Vortrag feststellen kann, lassen sich fast alle Probleme mit durchdachten biologischen Maßnahmen lösen. Auf Gifte jeglicher Art kann komplett verzichtet werden. Das hilft der Natur und auch uns Menschen.
Am Ende der interessanten Veranstaltung wurde Tütchen mit Tomaten- und Paprikasamen verteilt.
Bilder von Schädlingen und Schadbilder findet ihr im Internet.
Fotos und Text: Bea Wild